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Da Goofy    
Mir hobn vüle Taubn ghobt daham. De gaunze Nocht homs gurrt und gurrt, den ganzen Tog homs iberoll hingschissn. De Nochborin hot oiwal gschimpft: "De bledn Taubn, nix kennans, nur scheissn!"
Amol bin i vun da Schul hamkumman, do is a Taubn im Hof umadum grennt, sie hot nimma fliagn kennan. I hobs eingfaungt und in des grousse Vougelheisel gsperrt, des fürn Winta wor. Des Vougelheisel is auf aner Zaunlottn aungnogelt gwesen, an Meter hoch oder so.
 Oft is aussaghupft, di Taubn, oba daun is wieder aufe ghupft. Komisch, an Meter hoch hots fliagn kennan, oba net heiher. Mei Muatta hot a Fuatta kauft für di Taubn, a Mischfuatta. Oba di Taubn hot si nua die Haunfkerndl aussapickt, olle aunderen hots liegnlossn. Sou was haackliches. Do hob i da Taubn glei nua Haunfkerndl kauft. Mei gaunzes Toschngöld hots zaumgfressn, di Taubn.
Daun hom ma uns an Nauman ausdenkt für di Taubn. Goofy hom ma gsagt zu ia. Der Goofy, is eh klor. Ouft hom mia gspült mitn Goofy, er hot ouft  gspült mit di oundan Taubn. Komisch gspült hot a. Mit di Schnebl und sou. Komisch. Daun is a amol auf unsara Hulzstiagn auffeghupft in ersten Stouck. I was net, warum. Vielleicht hot a mi gsuacht, da Goofy, hot ma wos zagn wuilln?
Auf amol hob i was pumpern ghert, do hob i auffegschaut. Do is a Ei vun da Stiagn obegruit, plopp, plopp, a Stufn noch da aundan obegruit.  "Der Goofy hot a Ei glegt, Mutti!", hob i gschrian.
Do hots glocht, di Mutti. "Geh Hansi, a Er kaun do ka Ei legn." Oba er hot a Ei glegt. Wirkli! Nua hin is es gwesen, des Ei. Is jo di gaunze Stiagn obekuglt, des Ei. Do muass es ja hin sein. So a blede Taubn, da Goofy. Legt sei Ei auf a Stiagn.
Amol bin i hamkumman vun da Schul, hob in Goofy gsuacht. „Wou isn de blede Taubn, de a Ei auf di Stiagn legt und mei gaunzes Toschngöld vafrisst. „Wou isn da Goofy? Wou isn da liabe Goofy? Goofy, wou bistn?”
Do hob i a Aungst kriagt Daun is di Nochborin kumman. Gaunz mitleidig hots mi aungschaut. "Suachst dei Taubn, Hansi?", hots gfrogt. "Jo, wou isn da Goofy?".
"Dei Taubn is hin“ hot de Nochborin gsogt, „de Dochdecker homs okraglt und mitgnumman zum essen. Und in gaunzen Dochbodn homs zuagmauat, damit die Taubn wegkumman, di bledn."
De Taubn san gor net bled, de Dochdecka san bled!  Mein Goofy homs gessen. Houffentli hot a ihna net gschmeckt, da Goofy!

Hier die "Übersetzung" für die Piefkes:

      In unserem Haus gab es unheimlich viele Tauben. Die ganze Nacht über gurrten sie vor sich hin. „Nichts als scheißen und Lärm machen können sie, diese blöden Tauben!“, schimpfte Frau Zierich, die Nachbarin. Wir Kinder mochten sie, die Tauben. Eines Tages bemerkten wir, dass eine von ihnen nicht davon flatterte, als wir sie wie schon so oft, spielerisch über den Hof zu jagen versuchten. „Die hat sich bestimmt den Flügel gebrochen“, meinte Herr Pilz, unser Nachbar. Von Beruf zwar Zahnarzt, für uns nichtsdestotrotz der Fachmann schlechthin. Ich fing sie ein und steckte sie in das große Vogelhäuschen, das für die Fütterung der Singvögel im Winter gedacht war, nun aber als Notquartier für unseren kleinen Patienten herhalten musste. Schnell war ein Name gefunden: Goofy Der Goofy natürlich, da überlegten wir nicht lange. Bald schaute Goofy sehnsüchtig durch das kleine Guckloch nach unten, sicher hatte er Hunger, das war uns schnell klar. Meine Mutter kramte etwas Vogelfutter aus dem vergangenen Winter hervor und dankbar stürzte sich Goofy auf das dargebotene Mahl. Aber er pickte sich nur die Hanfkörner aus der Futtermischung, alles andere ließ er liegen. Ganz schön wählerisch, die Taube, dachten wir Kinder, unbedacht der Tatsache, dass wir selbst auch nicht gerade brave Esser waren. So lebte Goofy in den Tag hinein, fraß nur teure Hanfkörner, mein ganzes Taschengeld ging dabei drauf. Ab und zu hüpfte er vom Vogelhäuschen runter, das sich auf einem Zaunpfahl befand, und flatterte auch selbst wieder zurück. „Eigenartig, eine Meter hoch kann er fliegen, aber nicht höher!“, dachte ich verwundert. Manchmal spielte er auch mit den anderen Tauben. Komisch gespielt haben sie, mit den Schnäbeln und so, komisch! Eines Tages hüpfte Goofy die Holztreppe zu unserer Wohnung hoch in den ersten Stock. Ich weiß auch nicht, was er da wollte. Vielleicht hat er mich gesucht, wollte mir was zeigen? Auf jeden Fall hörte ich plötzlich ein leises Poltern, schaute nach und  sah, wie ein Ei die Treppe runter rollte. Plop, plop eine Stufe nach der anderen. „Mutti, der Goofy hat ein Ei gelegt!“, schrie ich aufgeregt. „Geh Hansi, ein er kann doch kein Ei legen!“, antwortete meine Mutter schmunzelnd. „Aber er hat ein Ei gelegt, wirklich!“, rief ich etwas gekränkt, obwohl auch mir als kleinem Jungen dieses anatomische Rätsel  langsam bewusst wurde. Nur kaputt war das Ei, kein Wunder, es war ja die Treppe runter gerollt. „So eine blöde Taube!“, schimpfte ich lauthals, „legt sein Ei auf die Treppe!“ und runzelte die Stirn über so viel Unvernunft. Eines Tages kam ich von der Schule nach Hause und suchte wie immer als Erstes nach meinem kleinen Freund, der mein ganzes Taschengeld verfraß. „Goofy, wo bist du?“, rief ich „Goofy, komm doch endlich!“, klang es schon etwas kleinlauter. Angst stieg in mir hoch. Es war ihm doch wohl nichts passiert? Da kam auch schon Frau Zierich, die Taubenhasserin auf mich zu. „Sucht du deine Taube, Hansi?“, fragte sie mit ernstem Gesicht. „Ja, wo ist er denn, der Goofy?“, fragte ich, immer mehr in Sorge. „Die Dachdecker haben sie abgemurkst, deine Taube, und mitgenommen zum Essen!“ berichtete sie. „Und den Dachboden haben sie auch zugemauert, damit sie alle wegkommen, die Tauben, die blöden.“   Die Tauben sind gar nicht blöd! Die Dachdecker sind blöd. Meinen Goofy haben sie aufgegessen! Hoffentlich hat er ihnen nicht geschmeckt, der Goofy!