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Da Ostahos 


Wenn da Winta aus wor und die letztn Schneefleckaln obtaut worn, do san ma net laung traurig gwesn. Wal jetz hobn ma wida im Goatn spüln kennan. Die Wiesn is wida grian wurdn, die ersten Krokusse hobn bliat und mia hobn gwusst, boid kummt da Ostahos.

Mei Oma hot a an richtign Hosn ghobt und jedn Tog san ma in Stoll gaungan und hobn iam gstreichelt, fia uns woa des da Ostahos. Ouft hobn ma iam gfüttat mit a poor Schmankerln, de ma im Goatn extra gsuacht hobn. Do hot a si gfreit und uns olle gaunz liab aungschaut.
Wal as eissen wor hoit sei Hauptbeschäftigung. I hob eigentli net sou gern gessen, oba aans hob i gern meigen, a Bochhendl.
Des wor wos gaunz bsonderes, des hots hechstns zwa mol im Johr gebn. Amol am Sunntog, do hob i wida an Löwnzaun gsaummlt fias Haserl.
Do kumm i in Stoll und da Hos wor net do. Wird a si hoit söba wos zum Fressn suachn, hob i ma denkt und bin auffi gaungan zum Mittogessn.


Aufn Herd is die Pfaunn mitn Fett gstaundn und i hob scho gsegn, drin schwimmt a Bochhendl. Mei, mia is as Wossa im Mund zaummanglaufn.
Oba di Oma hot gaunz komisch gschaut, i was net warum. Ibahaupt wor alles so ruhig in da Kuchl, da Vati wor a do zum essn oba kana hot glocht, net amol füll gredt.
Und wia i daunn in groussn Tölla mitn Bochhendl gsegn hob, do hob i so laungsaum gwusst, warum da Hos net in sein Stoll wor. Des Fleisch hot gaunz aundas ausgschaut wia a Pippal. Auf aanmol hob i kaan Appetit mehr ghobt auf des „Bochhendl“. Des wor mei Hos, den i eissen het sulln. Olle hobn mi gaunz mitleidig aungschaut, oba geissn hobns iam trotzdem. Wia daunn die Ostafeiatog nähakumman san, hobn mi olle gfrogt ob i mi auf die Ostaeier gfrei. „Wer sulln di legn, die Ostaeier?, hob i gschrian, In Ostahos hobts jo gessn!“ und hob greart. Oba da Schokolade Ostahos hot ma daunn scho wida gschmeckt, gott sei Daunk.      
und hier die Übersetzung für die "Piefkes":    


Der Osterhase    
Ich bin in einem Haus mit einem großem Obstgarten aufgewachsen. Immer wenn der Winter zu Ende ging und die letzten Schneeflecken abtauten, erwachte der Garten zu neuem Leben. Das Gras wurde wieder richtig grün, die ersten Krokusse brachen durch die Erde und so trauerten wir nicht lange den Schneeballschlachten und dem Schlittenfahren nach. Der Frühling war da und damit Ostern nicht mehr weit. Und mit ihm der Osterhase. Meine Oma hatte einen richtigen Hasen, das heißt ein Kaninchen. Aber für uns Kinder war es der Osterhase. Täglich führte uns der erste Weg nach der Schule zu seinem Stall. Auf dem Weg dahin pflückten wir noch rasch etwas frischen Löwenzahn als Mitbringsel. Da freute sich der Hase und guckte uns alle ganz dankbar an. Essen war schließlich seine Lieblingsbeschäftigung. Meine nicht unbedingt, aber eines mochte ich gerne. Ein Backhendl. Das heißt für Nichtösterreicher ein paniertes und frittiertes Hähnchen. Das war etwas ganz besonderes. So was leckeres gab es höchstens ein, zweimal im Jahr. So wenig ich sonst auch essen mochte, für ein Backhendl ließ ich alles andere stehen. Eines Tages, es war Sonntag, der einzige Tag an dem bei uns groß gekocht wurde, führte mich mein Weg wieder in den Garten zum Hasenstall. Aber da war niemand. „Er wird sich halt selber was zum fressen suchen,“ dachte ich und ging nach oben, wo meine Oma  schon zum Mittagessen gerufen hatte. Auf dem Herd stand die große Eisenpfanne mit siedendem Fett und darin brutzelten appetitliche panierte Fleischstücke. Hurra, es gibt Backhendl!“, rief ich begeistert, nahm am Esstisch Platz und wunderte mich nur etwas über die bedrückte Stimmung der anderen. Keiner lachte, auch gesprochen wurde kaum. Als dann die große Porzellanplatte mit den Fleischstücken auf den Tisch kam, wurde mir langsam klar, was das alles zu bedeuten hatte. Dieses Backhendl sah anders aus als sonst, schlagartig hatte ich keinen Appetit mehr auf mein Leibgericht. Das war mein Hase den ich essen sollte. Eine Welt brach für mich zusammen. Ich sollte den Osterhasen essen. Heulend lief ich auf mein Zimmer. Als dann Ostern näher rückte, wollte meine Mutter wissen, ob ich mich schon auf die bunten Ostereier freuen würde. „Wer sollte die denn legen?“, fragte ich empört, „den Osterhasen habt ihr doch aufgegessen!“ und lief weinend davon. Aber Kinderherzen vergessen zum Glück schnell und so hat mir der Osterhase, allerdings einer aus Schokolade, schon wieder gemundet.